Förderunterricht

Gleich, woher du kommst...

„Konflikte zu vermeiden ist Werk der Politik;
den Frieden aufzubauen ist Werk der Erziehung.“
(Maria  Montessori, Europ. Friedenskongress, Brüssel 1936)

Integrationshilfe-Förderung
an der Johannesschule

Kinder in Willich - aus aller Welt

Jedes Kind, gleich welcher Herkunft, soll jede Hilfe bekommen, die es braucht, um die höchsten Ziele zu erreichen, die es sich denken kann.

Nicht alle Kinder können in ihrem eigenen Land leben.
Nicht alle Kinder leben in Frieden und Gesundheit.
Nicht alle Kinder werden in einer Familie groß.
Nicht alle Kinder haben gelernt, als Lernen leicht war.

Aber jedes Kind hat Träume.
Jedes Kind wünscht sich eine gute Zukunft.

Bei uns soll jedes Kind die Chancen bekommen, die es  braucht, um Mitglied der Gesellschaft zu sein.

„...eine Erziehung, die den Frieden anstrebt,
müßte von allen als ein grundlegender und
unerläßlicher Faktor, als Ausgangspunkt, als eine
die gesamte Menschheit betreffende Frage
betrachtet werden.“
(M. Montessori, Int. Montessori-Kongress, Kopenhagen 1937)

Alleine...schaffen wir das nicht immer!!

Integrationshilfe-Unterricht


Im Jahr 1996 entstand der Förderunterricht als Jugendhilfe-Initiative der Johannesschule,  der Stadt Willich und der Arbeiterwohlfahrt (Kreisverband Viersen). Zunächst konnte eine befristete Teilzeitstelle eingerichtet werden, die angesichts des Erfolges der Maßnahme bald verlängert und zur Vollzeitstelle ausgebaut wurde.
Inzwischen sind viele Hundert Kinder und Jugendliche  gekommen und gegangen. Die meisten haben ihren deutschen Schulabschluss erreicht. Einige konnten sogar die Klasse 10 B mit Erfolg abschließen und danach ihr Abitur machen.

Heute ist der Förderunterricht Anlaufstelle bei Problemen jeder Art, Lernzentrum und Begegnungsort für Schüler aller Klassen, jeden Alters und jeder Herkunft. Die Schüler besuchen den Förderunterricht, wenn sie in ihrer Klasse oder in bestimmten Fächern (noch) nicht ausreichend mitarbeiten können.

Seit 2002 arbeiten eine Lehrerin mit Montessori-Ausbildung, eine Sozialpädagogin und ein/e FSJ-ler/in oder ein Zivi zusammen. Zeitweise erhalten wir Hilfe von muttersprachlichen Honorarkräften.
Ehrenamtliche Helfer engagieren sich in der intensiven Einzelbetreuung für bestimmte Schüler, als Begleiter bei Behördengängen und bei zahlreichen  weiteren Gelegenheiten.

Zukunft für alle - gemeinsam!

Die meisten Johannesschüler sind in Deutschland mit Deutsch als Erst- oder Zweitsprache aufgewachsen. Viele unserer Schüler haben eine andere Muttersprache. Einige Kinder und Jugendliche kommen jedoch erst später nach Deutschland und müssen möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen. Erst danach können sie ganz am Klassenunterricht teilnehmen und einen Schulabschluss erreichen.
Im Integrationshilfe-Unterricht haben alle Kinder mit fremder Muttersprache die Möglichkeit, die deutsche Sprache in individuellem Tempo grundlegend zu erlernen (Erstförderung) oder Defizite gezielt aufzuarbeiten (Zweitförderung). Nach zwei Jahren in einer deutschen Schule ist eine volle Teilnahme am Klassenunterricht mit kompletter Benotung vorgesehen. Dieser Zeitrahmen kann in den meisten Fällen - abhängig von Lernstand in der Muttersprache bzw. Vorbildung im Heimatland - eingehalten werden.
Auch Jugendliche, die erst in höheren Klassen ohne Deutschkenntnisse zu uns kommen, können einen qualifizierten Abschluss erreichen. Einige gehen danach  in die gymnasiale Oberstufe bis zum Abitur, andere lernen in einem betrieblichen oder schulischen Ausbildungsgang weiter.
Deutsche Schüler sind ebenfalls eingeladen, im Förderunterricht individuell zu arbeiten. Sie können Defizite aus früheren Klassen oder Probleme aus dem aktuellen Fachunterricht aufarbeiten.
Bei Bedarf begleiten wir Jugendliche und ihre Familien bei Fragen der Erziehung, im Umgang mit Behörden, beim Zurechtfinden in Alltag und neuer Umgebung, bei Bildungsfragen, Bewerbungen, Rechtsfragen, Praktika, der Suche nach  Ansprechpartnern für spezielle Fragen uvm.

Gemeinsam lernen

Alle Schüler können im Förderunterricht voneinander profitieren: Kinder, die schon lange in Deutschland sind, unterstützen neue Mitschüler. Sie helfen als Dolmetscher oder begleiten bei den ersten Schritten in der neuen Schule. Schüler aus höheren Klassen helfen Jüngeren, Stärkere helfen Schwächeren. Durch Lehren lernt man - es entsteht also immer Nutzen für beide Seiten.
Integrationshilfe-Unterricht

Hilf mir, es selbst zu tun...

Die Arbeitsweise im Integrationshilfe-Unterricht ist an die Methoden der Pädagogin Maria Montessori angelehnt und wird von einer in diesem Bereich ausgebildeten Lehrerin geleitet.
Speziell für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Jahrgängen und Herkunftsprachen, mit unterschiedlicher Vorbildung und Begabung wurden und werden besondere, individuell anzupassende  Lernmaterialien entwickelt. Wir legen Wert darauf, dass die Schüler weitgehend selbständig und in eigenem Tempo arbeiten können. Die Lehrer sind Beobachter und Helfer. In erster Linie ist unsere Aufgabe jedoch, eine „vorbereitete Umgebung“  bereit zu stellen, in der jedes Kind sein Potential möglichst optimal entdecken und nutzen kann. Diesem Ideal stehen manchmal leider die vorgegebenen Anforderungen der Lehrpläne oder der Abschlussprüfungen entgegen. Es ist unser Bestreben, einen Kompromiss zu finden, der das Lernen erleichtert und dennoch zum gewünschten Ziel leitet.

Das Lernen lernen...

Um Angelegenheiten des täglichen Lebens selbstbewusst und selbsttätig bewältigen zu können, braucht ein Kind Handwerkszeug: Wir legen Wert auf Handschrift und Rechnen mit Stift und Papier als Weg zu Konzentration, motorischer Entwicklung, leichterem Merken und souveränem Umgang mit Sprache oder Mathematik. Hilfsmittel (Wörterbuch, Lexikon, Atlas, Geodreieck und Zirkel) lernen die Schüler sinnvoll zu nutzen, um konkrete Aufgaben zu bewältigen, ihren Alltag zu meistern und die Orientierung in einer komplexen Welt zu ermöglichen.
Die Auseinandersetzung mit Quellen, Texten und wissenschaflichen Fragen aus dem Alltag ermöglicht die Entwicklung breitgefächerter Fähigkeiten und Fertigkeiten und einer umfassenden Verhaltens-Kompetenz.
Hausaufgabenhilfe

Mittags finden die Schüler eine offene Tür für Hausaufgabenhilfe,  Prüfungsvorbereitung und ein offenes Ohr bei Problemen aller Art. Die Schüler können ihre Mittagspause mit Klönen oder Spielen verbringen.
Herz ,Kopf und Hand

Lernen wird von emotionaler Beteiligung, Aktivität und Bewegung unterstützt. Herz, Kopf und Hand arbeiten zusammen, die Integration der Aktivitätsbereiche des Gehirns wird gefördert.
Uns ist wichtig, den Schülern praktische Erfahrungen zu ermöglichen.
Es gibt Ausflüge auf den Bauernhof mit gemeinsamer  Arbeit je nach Jahreszeit, Kontakt mit Tieren, gemeinsamem kochen und essen.
Einmal jährlich findet eine Ferienfahrt statt. Die Kinder erleben in Selbstversorger-Häusern ein Stück gemeinsamen Alltag, verbringen Freizeit miteinander. Pädagogischer Schwerpunkt dieser Fahrten ist die psychomotorische Entwicklung der Kinder.
Kürzere Exkursionen sollen besonders den Kindern mit  Zuwanderungshintergrund die neue Heimat mit ihrer Geschichte,  Kultur und Natur näher bringen.
Je nach Jahreszeit und Gelegenheit besuchen wir Sonderausstellungen (Highlight 2006: die große Tutenchamun-Ausstellung in Bonn), Freilichtmuseen (Dorenburg, Archäologischer Park...), den Zoo uam.

Jedes Ende ist ein neuer Anfang!
Abschlussförderung


Besonderen Wert legen wir auf die Förderung bis zum Abschluss. In der Schulabschluss-Zeit liegen aufgrund der individuellen Lebenssituation oftmals besondere Lernhindernisse vor, die wir auszugleichen versuchen, um auch die Seiteneinsteiger bis zum individuell bestmöglichen Abschluss zu begleiten. Wer es bis in die Klasse 10 geschafft hat, soll den letzten Schritt nicht alleine gehen müssen.

Berufsvorbereitung

Verbindliche Betriebspraktika für alle Schüler finden in Klasse 9 und 10 statt. Jeder soll den Alltag in einem anerkannten deutschen Ausbildungsbetrieb in deutscher Sprache kennen lernen. Bei Bedarf oder auf Wunsch helfen wir bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsbetrieb. Wir unterstützen danach beim Verfassen der  Dokumentation zum Praktikum in deutscher Sprache.
„JESS“ und „JOB“

Viele Schüler kennen aus den Heimatländern weder unser duales  Ausbildungssystem noch eine durch Gesetze regulierte Berufstätigkeit.
Angelehnt an die Idee des „Erdkinderplan“ (M.Montessori) brauchen Schüler Gelegenheiten, Zusammenhänge der Arbeitswelt, die  Gegebenheiten eines Betriebes, die Realität einer Berufstätigkeit in Deutschland kennen zu lernen.
Wer sprachlich noch nicht so weit ist, dass er auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig ist, braucht andere Fähigkeiten, in denen er gut ist, die er einem zukünftigen Ausbilder anbieten kann.
Jeder sollte seine persönlichen Fähigkeiten,  Interessen, und Schwächen erkunden und seine Stärken ausbauen.
Für die Schüler des Förderunterrichts - aber auch allen anderen Johannesschüler- bieten wir zusätzliche freiwillige Praktika an:

In Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Freiwilligenzentrum Willich entstanden die Angebote

 „JESS“ - „Johannesschüler engagieren sich sozial“
und
„JOB“ - „Johannesschüler orientieren sich beruflich“

Beide Projekte stehen allen Schülern der Klassen 8-10 offen. Besonders Schüler mit fremder Muttersprache können sich über ein zusätzliches soziales oder berufsvorbereitendes Engagement  qualifizieren und damit andere Defizite ausgleichen, Kontakte in die Arbeitswelt knüpfen, im Idealfall „ihren“ späteren Ausbildungsbetrieb finden.

Wir kooperieren mit: AWO Viersen, Arbeitsagentur Krefeld, Stadt Willich, Caritas und Freiwilligenzentrum Willich, Psychosoziales Zentrum Düsseldorf, PfAu/Agenda Jugend und Wirtschaft Willich

 

Kontakt:

Dr. Lucia-C. Verhees    (Lehrerin im Förderunterricht)
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Jutta van Amern    (Sozialpädagogin)
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Johannesschule
Städt.  Gemeinschaftshauptschule

Johannesstraße 5
47877 Willich - Anrath
☎ 02156-91960
✇ 02156-919616
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